Liebe Freunde der blendenden Zerstörung

Bald ist Polizeikongress und CAMOVER nähert sich seinem Ende. Schon jetzt können wir das Missionsziel „Aufmerksamkeit auf den Polizeikongress lenken“ dank enormem Presseecho abhaken. Bevor es aber ganz zu Ende geht, wollen wir uns nocheinmal ordentlich zu Wort melden.

Am Anfang unserer Idee stand die Vermutung, dass es richtig vielen Leuten bewusst ist, dass die Kameraüberwachung auf dieser Welt immer schlimmer wird und ernsthaft in der Lage ist, unsere Freiheit zu beeinträchtigen. Wir dachten auch, dass eine Kampagne als Spiel verpackt und mit ein bisschen motivierendem Material viele Leute dazu bringen könnte, die weit verbreitete Letargie abzuwerfen und ihren Arsch auf die Straße zu bewegen um Überwachung wirksam zu bekämpfen.
Wir haben uns nicht getäuscht.
Auch wenn die Beteiligung getreu den Regeln von CAMOVER anfangs sehr schleppend anlief und bis jetzt „nur“ 13 Teams mit 14 Aktionen (ist das wirklich wenig?) schätzungsweise 60 Kameras entwertet und das ganze anschließend dokumentiert haben, so sind wir trotzdem bester Dinge. Besonders gefreut haben wir uns natürlich über die Foto-Beweise aus Hannover (die Liebe ist in unseren Herzen angekommen), Pudget in den USA mit den zweifellos besten Fotos, Berlin und Leipzig (Go Horst!). Schade, dass die meisten Raubzüge nicht bildlich oder sogar auf Video aufgezeichnet werden konnten. Es ist natürlich nicht einfach sondern immer sehr umständlich, im elektronischen Zeitalter ohne umfassendes Wissen und Zeit gewisse Sicherheitsstandarts einzuhalten.
An dieser Stelle geht noch ein Gruß raus in die Welt an die unzähligen Unbekannten, deren Ablehnung des Staates so groß ist wie die unsere, die ihre Energie und ihr Wissen aber nicht in den Kontext von Camover gestellt haben und sicher trotzdem zu den Hunderttausenden gehören, denen das Mobi-Video Lust auf Sabotage gemacht hat.

Die Reaktionen waren dank des CAMOVER-Videos tatsächlich global und lassen trotz aller Skepsis gegenüber sozialem Verhalten und Kommunikation im Internet den Schluss zu, dass Kameraüberwachung und sogar staatliche Überwachung im allgemeinen auf sehr große Ablehnung stoßen und umgekehrt Mut und Taten gegen die Unterdrückung Zuspruch erhalten. Natürlich gibt es viel zu viele Spinner und Arschlöcher, die aus Angst vor sich selbst meinen, Kameras müssten und könnten uns vor Vergewaltigern, „U-Bahn-Schlägern“ und (oh my god) TERRORISTEN schützen. Für letztere sind wir ja wohl der beste Beweis, wie schlecht das Funktioniert: wir fackeln euch die Kameras vor euren Augen ab und alles was ihr zu stande bringt ist euer medialer Aufschrei in BILD und Co.
Was das Thema Vergewaltiger und Schläger angeht: ihr Staatshetzer, die ihr immer wieder ganau damit argumentiert, seid schon immer die letzten, die sich mit Themen wie Sexismus und Gewalt auseinandersetzen. Deshalb ruft ihr ja auch bei jeder Gelegenheit die Prügelgarde vom Dienst, die gerne Flüchtlinge verbrennt, erstickt oder zu Tode foltert. Eine weitere Diskussion mit euch Bullenmenschen macht überhaupt gar keinen Sinn.

Viel lieber setzen wir uns mit vernünftiger Kritik auseinander.
Beispielsweise wurde den CAMOVER-Aktivisten immer wieder vorgeworfen, dass sie ungerechtfertigterweise auch zahlreiche private Kameras an Häuserfassaden oder Geschäften zerstört hätten. Über den Sinn von privaten Kameras lässt es sich sicherlich anders streiten als beim Thema staatliche Überwachung. Aber nur, falls die Bullen nicht auf die Idee kämen, mit den zahlreichen kamerainstallierenden Denunzianten und Kollaborateuren unserer Gesellschaft zusammenzuarbeiten. In der Tat müssen wir davon ausgehen, dass die meisten (aber nicht alle) Menschen, die Kameras installieren auch ordentlich Eigentum zu beschützen und daher ein Interesse an staatlicher Macht haben. Deshalb steht auch beinahe jedes private Videomaterial dem Staat zur freien Verfügung.
Abgesehen davon hassen wir es, von Kameras angegafft zu werden. Wir lieben Graffiti an den Häuserwänden, wir wollen in unserem Treppenhaus mit den Nachbarn schriftliche kommunizieren, wir knutschen gerne in Häusereingängen und wir müssen auch mal dem ein oder anderen Immobilienbüro die Fassade entglasen ohne auf dem Weg dorthin gefilmt zu werden.

Andererseits wurde unser martialisches Auftreten im Mobi-Video kritisiert. Wir entschuldigen uns dafür. Soooorry!

Und jetzt: auf zur Preisverleihung!

Der Kontest ist noch garnicht zu ende, meint ihr? Ja, das ist die große Frage. Ehrlich gesagt haben wir uns am Anfang überhauptkeine Gedanken darüber gemacht, wie und ob wir unsere Kampagne beenden. Eigentlich finden wir Wettbewerbe ziemlich albern und schlagen folgendes Vorgehen vor: wir bringen alle unsere Kameras mit zur Demo gegen den Polizeikongress und feiern gemeinsam ein großes Fest des Sieges über den großen Bruder. Bunte Artisten aus aller Welt werden geschickt im Akt höchster Jonglage die Kameras durch die Luft werfen, düstere Gesellinnen einen Feuerzauber veranstalten und das Pflaster auf dem kalten Asphalt den Trommelwirbel schlagen.
Die Website camover.noblogs.org wird weiterhin alles berichten, was unter dem Tag (Stichwort) „CAMOVER“ passiert und wir alle fühlen uns in der Pflicht, auch in Zukunft staatsgefährdent zu sein.

CAMERA JACTA EST

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